Pflege stärken!“ Mit Prof. Dr. Lauterbach über Bundespolitik und Lokalpolitik

Spätestens seit der Pfleger Jorge in der Wahlarena Angela Merkel und die deutsche Politik hart für die Versäumnisse in der Pflegepolitik kritisierte, gar die menschliche Würde im Alter bedroht sah, ist das Thema in aller Munde. Zu wenige Pfleger, diese überlastet und zu schlecht bezahlt – doch auch Patienten und Versicherte bekommen die Folgen zu spüren.
Rede und Antwort soll an diesem Abend in der mit gut 100 Anwesenden vollen Waldschule echte Berliner Politikprominenz stehen: Prof. Dr. Karl Lauterbach kennt als approbierter Arzt und Professor für Gesundheitsökonomie das deutsche Gesundheitssystem wie kaum ein anderer. Nach seinem Schritt in die Politik kann er nun seine Ideen auch versuchen zu verwirklichen, was in dieser Legislaturperiode beispielsweise mit der Wiedereinführung der Beitragsparität in der Krankenversicherung auch gelingt.

Was die Altenpflege anbelangt, so lässt sich leicht erkennen, dass Deutschland hier durchaus ein Problem hat. Gegenwärtig sind rund 3,3 Millionen Deutsche pflegebedürftig, Tendenz steigend. Hauptursache und treibender Faktor für die Zukunft ist der demografische Wandel, der auch mit Demenzerkrankungen einhergeht. Dennoch ist die Finanzierungssituation der Pflegeversicherung und auch die Qualität der Pflege in Deutschland im Augenblick gut.
Deutlich problematischer ist es um die Arbeitsbedingungen der Pflegenden bestellt, ein Punkt, den auch die vielen anwesenden Pfleger bestätigen. Hier fehlt es derzeit an Fachkräften. Verschärft wird das durch die Tatsache, dass mehr Pfleger ausscheiden, als neue hinzukommen. Die Lücke von aktuell 50.000 bis 100.000 Pflegekräften droht sich in den kommenden Jahren zu verfünffachen.

Doch an diesem Abend geht es vor allem darum, wie man diesen Teufelskreis durchbrechen kann. Ohne ein höheres Gehalt und bessere Arbeitsbedingungen wird man nicht mehr junge Menschen für die Pflege begeistern können. Die anwesenden Pfleger weisen darauf hin, dass auch mehr Geld nicht alles ist und fordern eine höhere gesellschaftliche Anerkennung. Die von der SPD durchgesetzten Projekte wie die Verbesserung der Ausbildung, Tarifbindung und verbindliche Personalschlüssel in der Pflege werden von allen Anwesenden begrüßt, wenngleich insbesondere die Pflegenden auch hoffen, dass die Verbesserungen in ihrem Arbeitsalltag auch ankommen werden.
Am Ende kommt man auch auf die Kommunalpolitik zu sprechen: Das Thema muss auch die Gemeinden interessieren, denn in Zukunft, so Lauterbach, sind nicht nur Schule und Kita die großen Standortfaktoren, sondern auch Pflegemöglichkeiten. Das Thema wird uns mit Sicherheit in den kommenden Jahren beschäftigen.

Lennart Diener