Bericht: Praxis ohne Grenzen in Kröppelshagen

Am 15. August kam recht prominenter Besuch nach Kröppelshagen. Der SPD Ortsverein und die Arbeitsgemeinschaft der Selbstständigen im Kreis luden den „Held des Nordens“ Dr. Uwe Denker und Gründer des Vereins „Praxis ohne Grenzen“ ein. Dr. Denker berichtete von seiner Arbeit als Arzt, der ehrenamtlich Menschen ohne Krankenversicherung behandelt.

Die Klientel, und das ist ein wenig überraschend, besteht nicht aus Flüchtlingen und Obdachlosen, viel eher sind es Menschen aus dem Mittelstand, denen die Beiträge der privaten Krankenversicherung über den Kopf gewachsen sind, oder bei denen das Projekt Selbstständigkeit gescheitert ist. Dr. Denker kann von einer Lücke im Versicherungssystem für einfache Selbstständige berichten, bei denen die Sozialversicherung noch nicht greift und für die die Mindestbeiträge der gesetzlichen Krankenversicherung zu hoch sind. Schnell fallen diese Menschen durch das Netz bei den Versicherungen. Alle medizinischen Leistungen müssen mit einem Mal aus der eigenen Tasche bezahlt werden, jeder Krankenhausbesuch kann den Ruin bedeuten. Etwa ein Prozent der Bevölkerung befindet sich laut Dr. Denker in dieser misslichen Lage, gut 800 000 Menschen.

Gegenwärtig fängt die Zivilgesellschaft mit Menschen wie beispielsweise Dr. Uwe Denker viele dieser Menschen auf und sichert die medizinische Grundversorgung. Von vielen Fällen kann der mittlerweile schon über siebzigjährige Arzt berichten, wo Scham und Schulden wichtige Arztbesuche verhindert haben, beispielsweise von Schlaganfälle durch nicht behandelten Bluthochdruck oder von Krebserkrankungen, bei deren Behandlung Schlimmeres hätte vermieden werden können. Doch er kann auch von vielen Erfolgen erzählen, Menschen, die nach seiner Behandlung nicht nur wieder gesund, sondern auch wieder versichert werden konnten.

Diese Arbeit leistet Dr. Denker seit fast 10 Jahren rein ehrenamtlich, alles finanziert aus Spenden und geprägt durch Dr. Denkers christlichen Werte. Mittlerweile haben sich auch einige andere Praxen ohne Grenzen, oder wie Dr. Denker auch sagt „Praxen ohne Kassen und Stigmatisierung“, gegründet und fast alle Krankheitsspektren können behandelt werden. Auch schafft es der Verein mittlerweile durch viele Spender, dass wichtige Operationen finanziert werden können.

Doch an diesem Abend bleibt auch Platz für Diskussionen: Die Gäste, darunter Kommunalpolitiker, Patienten von Herrn Denker und Interessierte, haben viel zu sagen. Es wird aus eigenen Erfahrungen berichtet, über die Tagespolitik diskutiert und Modelle für die Zukunft vorgeschlagen.

Konsens ist an diesem Abend: Es muss gewährleistet werden, dass alle Menschen von ihrem Einkommen leben können! Hierzu bedarf es einer Grundsicherung für alle Menschen, ob groß ob klein, damit niemand mehr aus der Krankenversicherung herausfallen kann. Ebenso sollten noch einige andere Hebel in Bewegung gesetzt werden, wie z.B. bei der Arzneimittelpolitik.

Lennart Diener