100 Jahre Frauen-Wahlrecht

Im November 1918 wurde das aktive und passive Wahlrecht für Frauen in der Nationalversammlung beschlossen. Am 19.01.1919 fanden dann die ersten Wahlen statt, an denen sich Frauen beteiligen durften. Es wurden 37 Frauen in die Nationalversammlung der Weimarer Republik gewählt. Und als am 19.02.1919 die erste Frau ihre Rede mit „meine Damen und Herren“ begann, sorgte dieses für Heiterkeit bei den Herren und sogar eine Erwähnung im Protokoll.

Dass die SPD-Fraktion im heutigen Bundestag deutlich macht:“Wir sagen „NEIN“ zu Sexismus und „JA“ zu einer Kultur der Gleichberechtigung in unserer Gesellschaft. Wir bekennen uns zu einem Arbeitsklima, das niemanden aufgrund seines Geschlechts diskriminiert oder geringschätzt,“ belegt, dass es noch lange nicht alltäglich in unserer Gesellschaft ist, was im Artikel 3 des Grundgesetzes verankert ist:“Männer und Frauen sind gleichberechtigt“.

Als meine Großmutter mir als junges Mädchen erzählte, dass sie für das Frauenwahlrecht noch auf die Straße gegangen ist, um zu demonstrieren, wurde mir erst so richtig bewusst, dass es keine Selbstverständlichkeit ist zur Wahl zu gehen. Heute sehe ich es nicht nur einfach als mein Recht an, das meine Oma mit erstritten hat, sondern auch als meine Pflicht, dieses Recht auszuüben.

Vielleicht sollten wir uns alle einmal wieder bewusst machen, dass wir mitverantwortlich sind für die Politik, die gemacht wird, in dem wir zur Wahl gehen und unsere Stimme abgeben und uns im besten Fall selbst zur Wahl stellen. Von allein geht nämlich gar nichts – Mitarbeit ist notwendig!

Zu mir sagte mal eine Gesprächspartnerin:“Wenn du mir einen guten Grund nennst, warum ich mitarbeiten sollte, dann bin ich sofort dabei. Aber ich bin rundum zufrieden mit meinem Leben, will daran nichts ändern. Warum soll ich also politisch aktiv werden?“ Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich eine Antwort schuldig geblieben bin. Ich war wie vor den Kopf geschlagen. Was dachte die Dame wohl von mir, warum ich mich in die Dorfpolitik eingebracht habe? Wollte ich im Mittelpunkt stehen? Brauchte ich Anerkennung? Oder wollte ich einfach meine Standpunkte durchsetzen? Wahrscheinlich ist es von allem etwas, denn man muss schon für den Erhalt der erkämpften Rechte und Pflichten eintreten, um so einen Rück-
schritt in veraltete Verhaltensformen zu verhindern. Es muss ja nicht unbedingt in der Politik sein. Jeder sollte sich auf seinem Platz in der Gesellschaft darüber im Klaren sein, dass er/sie für seine Belange eintreten muss, denn, wie gesagt, von allein geht nichts.

Christel Bathke