Vom Sitzungssaal in den Dorfteich – ein Jahr Kommunalpolitik

Vor etwas über einem Jahr wählten die Kröppelshagener ihre neue Gemeindevertretung. Mit auf dem Wahlzettel stand auch mein Name, 19 Jahre jung. Auch wenn es leider für mich nicht ganz gereicht hat, war mir mein Ergebnis gut genug, motiviert als bürgerliches Mitglied in die Ausschüsse für Umwelt und Jugend/Schul/Soziales zu gehen.

Schnell lernte ich das Kröppelshagener Engagement kennen. Tatsächlich ist die Kommunalpoltik bei uns im Dorf viel mehr als langwierige Sitzungen im Saal. Sei es ein Neujahresempfang, wo jeder seinen Beitrag dazu liefert oder der Dorfputz, an dem alle mit anpacken.

Da der Dorfteich regelmäßig zu kippen drohte, hat sich unsere Gemeinde entschlossen, die Qualität des Wassers regelmäßig zu überprüfen. Normalerweise liefe das ganze so ab, dass man ein Labor beauftragt, deren Mitarbeiter dann regelmäßig zu unserem Dorf fahren und Proben entnehmen und diese prüfen würden. Auf 12 Monate gesehen ist das alles andere als günstig. Deswegen schlug ich vor, dass man den pH-Wert selbst entnehmen und messen könnte – und hatte, Chemieabitur und Biochemie-Kursen sei Dank, auch schon die Aufgabe. Andere erklärten sich bereit, die Proben aus dem Teich zu holen und zum Labor zu bringen. Das spart Geld und zeigt den Einsatz unser Kröppelshagener.

Aber auch die Sitzungen können spannend sein. Es ist doch jedes Mal eine kleine Herausforderung, selbst zu gestalten und zu entscheiden. Dabei, so durfte ich auf einer Fortbildung lernen, haben die Vertreter in Gemeindevertretung und Ausschüssen „kompetent zu sein“. Das ist natürlich nicht immer ganz einfach. Gelegentlich kommt es vor, dass Anträge und Vorlagen den Ansprüchen nicht genügen. Ein ums andere Mal kommen da doch Dinge auf dem Tisch, wo man sich verwundert die Augen reibt. Dann wird es spannend und Diskussionen schreiten voran: Was sind das für Kosten, oder lädt man sich da nicht unglaubliche Haftungsrisiken auf? Oder wie will man das denn umsetzen?

Manchmal merkt man aber auch, wie langsam Mühlen mahlen und wie schwierig Kompromisse werden können. Sollte die Gemeinde auf einem Privatgrundstück eine giftige Pflanze entfernen lassen, weil die Besitzerin nicht bereit ist, sich darum zu kümmern?
Wäre es besser für die Umwelt, abstumpfende Mittel wie Granulat anstelle von Streusalz zu verwenden? Nein, aber da existieren mitunter ganz andere Vorstellungen und Überzeugungen, sodass man dann doch noch die ein oder andere Stunde seiner Freizeit opfert und Paragrafen und Studien liest, Argumente vorbereitet und hofft, auch andere davon zu überzeugen.
Wann steht die Linde auf dem Lindenhof und das Geländer für die Terrasse? Warten soll ja eine Tugend sein.

Als junger Mensch ist es mir auch immer wichtig, mich für andere in meiner Altersklasse einzusetzen, vielleicht auch diejenigen, die selbst noch nicht wählen durften oder gewählt werden durften. Als wir uns in den Ausschüssen gegenseitig vorstellten, erzählten viele Mitglieder, dass sie schon ihr (fast) ganzes Leben in Kröppelshagen leben. Das gilt für mich auch, allerdings ist es meist nicht mal halb so lang wie das der anderen. So setzt man natürlich einen anderen Fokus. Mich freut es, dass sich viele unser Jugendliche gegenwärtig schon so stark für ihre Interessen einsetzen, vor allem über den Jugendtreff. Im Augenblick wünschen sie sich einen Jugendplatz, sozusagen einen Spielplatz für ältere. Mit Sportgeräten und Platz zum „Chillen“.
Leider müssen auch die Jugendlichen aktuell die Erfahrung machen, wie langsam die Mühlen mahlen. Mal wird noch eine Umfrage abgewartet, mal muss noch Rechtliches geklärt werden, vor allem die Finanzierung dauert seine Zeit. Und in der Zwischenzeit hört man bedauerlicherweise noch eine ganze Reihe mehr an Vorbehalten gegenüber einem solchen Projekt: Weit vor der Entscheidung werden Plätze für ungeeignet gehalten, Flutlicht und Lärm bis in die Nacht werden gefürchtet oder gar über vermeintlich gedealte Drogen (in Kröppelshagen!) getuschelt.

Jetzt steht auch das nächste große Thema im Dorf an, mit der Dorfentwicklung. Letztlich geht es um die Frage, wie unser Dorf in Zukunft aussehen soll. Dabei haben alle unterschiedliche Vorstellungen. Ich persönlich hoffe auf gute Entscheidungen und viel positive Energie, für eine gute Zukunft. Leider kann ich die Entscheidungen, da ich kein Gemeindevertreter bin, nicht treffen. Aber nach einem Jahr Kommunalpolitik hätte ich noch immer sehr viel Lust, das zu tun.

Lennart Diener