Kröppelshagen trotzt dem Artensterben

Dem Einen oder Anderen wird es schon aufgefallen sein: Eine ganze Reihe an Flächen in Kröppelshagen wurde gefräst und mit Hinweisschildern versehen. Was heute kahl aussieht, soll in der Zukunft schön bunt blühen und nicht nur zum Augenschmaus der Fußgänger und Radfahrer, sondern auch zum Paradies für Insekten werden. So möchte auch Kröppelshagen einen Beitrag zur Artenvielfalt leisten.

Dieses Thema war vor allem zu Beginn des Jahres groß in den Medien vertreten, da die Vollversammlung des Weltbiodiversitätsrates erschreckende Zahlen vorstellte. Rund eine Million Tier- und Pflanzenarten sind unmittelbar vom Aussterben bedroht und werden in den kommenden Jahren ganz von der Bildfläche verschwinden. Weltweit kennen wir die Bilder der brennenden Regenwälder, zugrunde gehender Korallenriffe und Eisbären, die auf Eisschollen davon treiben.

In Deutschland wurde das Thema vor allem durch Volksbegehren wie „Rettet die Bienen“ bekannt. Einigen Studien zufolge ist der Bestand an Insekten in Deutschland um bis zu drei Viertel gesunken. Und das, obwohl die Insekten so wichtig für uns sind. Sie bestäuben nicht nur unsere Pflanzen, sondern stellen auch für viele andere Lebewesen eine wichtige Nahrungsquelle dar. Die entsprechenden Studien und Zahlen sind nicht grundsätzlich vor Kritik gefeit. So ist unsere Honigbiene mit Sicherheit nicht vom Aussterben bedroht. Es liegen aber bei Weitem nicht für jede Region genaue Zahlen vor, die ein Insektensterben bestätigen. Die Tendenz ist allerdings evident: Insgesamt nimmt die Masse an Insekten ab und vor allem spezielle Wildbienenarten, die auf bestimmte Pflanzen und Lebensräume angewiesen sind, verschwinden immer mehr.

Insbesondere im Süden Deutschlands kam es zu entsprechenden Volksbegehren und es wurden Hunderttausende Unterschriften gesammelt. Aber auch die Bundespolitik hat schon reagiert: sie schränkt den Einsatz von Pestiziden sukzessive ein und möchte mehr Lebensräume für Insekten schaffen. Allerdings stoßen diese Aktionen durchaus auf Kritik, denn auf vielen Feldern sieht man mittlerweile grüne Kreuze stehen, mit denen Landwirte stillen Protest an überzogenen Aktionen und mangelndem Dialog äußern.

Umso schöner ist das Engagement Kröppelshagens für den Artenschutz. Denn Kröppelshagen beteiligt sich ab diesem Jahr erstmals bei der Initiative „Schleswig-Holstein blüht auf“. Auf mehreren Gemeindeflächen werden so blütenreiche Wiesen und Säume eingesät. Das Saatgut ist an die Böden angepasst und enthält heimische Pflanzen. So wird Nahrung und Lebensraum für Insekten geschaffen. Besonders schön ist, dass mit dem Aufkommen der Idee auch Begeisterung und Unterstützung von allen Seiten kommt und das Projekt toll umgesetzt wird.

Bis es anfängt zu blühen, wird noch einige Zeit vergehen, aber bereits im nächsten Jahr ist mit den ersten Pflanzen zu rechnen. Allerdings brauchen die Flächen etwas Zeit und auch einige Pflege. Dann allerdings ist davon auszugehen, dass die Wiesen mit der Zeit immer bunter und zur Heimat vieler unterschiedlicher Arten werden.

Lennart Diener